„War’s das schon?“ Wenn dein Business nicht mehr zu dir passt

Business passt nicht mehr zu mir: Neuorientierung in der Selbstständigkeit

„War’s das schon?“

Diese Frage verbinden wir wahrscheinlich eher mit einem Job, der uns schon lange langweilt, als mit der eigenen Selbstständigkeit.

Im eigenen Business haben wir schließlich viel mehr Freiheiten. Wir können Angebote verändern, neue Ideen ausprobieren, unsere Arbeitszeiten selbst bestimmen und uns die Menschen aussuchen, mit denen wir arbeiten möchten.

Und trotzdem kann genau diese Frage irgendwann auftauchen, auch dann, wenn das Business eigentlich gut läuft.

Du hast Kunden, verdienst Geld, hast dir über die Jahre einen Namen gemacht und weißt ziemlich genau, was du tust. Nur fühlt sich das, was du jeden Tag machst, plötzlich nicht mehr so richtig nach dir an.

Ich glaube, gerade für hochsensible Scanner-Persönlichkeiten lohnt es sich, diese Frage ernst zu nehmen. Um herauszufinden, ob das, was du dir irgendwann einmal aufgebaut hast, heute überhaupt noch zu dir passt.

Wenn du aus deinem eigenen Business herauswächst

Bei mir kam dieser Punkt 2024.

Ich war damals seit ungefähr fünf Jahren selbstständig. Mein Business lief gut, ich hatte viele Kunden, meinen Podcast, regelmäßige Buchungen und mit der Karriereberatung einen Bereich, in dem ich inzwischen sehr viel Erfahrung hatte.

Dann gab es privat eine größere Veränderung und plötzlich habe ich auch angefangen, mein Business viel stärker zu hinterfragen.

Will ich das eigentlich die nächsten Jahre genauso weitermachen?

Eine Freundin sagte irgendwann zu mir: „Bettina, vielleicht bist du einfach aus deinem Business herausgewachsen.“

Im ersten Moment fand ich diese Vorstellung ziemlich merkwürdig. Wie soll man denn bitte aus seinem eigenen Business herauswachsen?

Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr Sinn hat der Satz für mich gemacht.

Ich hatte mich in diesen fünf Jahren schließlich auch verändert. Ich hatte unglaublich viel dazugelernt, neue Erfahrungen gesammelt und andere Interessen entwickelt. Gleichzeitig war vieles in meinem Business zur Routine geworden.

Das ist erst einmal nichts Schlechtes., natürlich entsteht Routine, wenn du etwas jahrelang machst und gut darin wirst.

Nur kann irgendwann der Punkt kommen, an dem genau diese Routine nicht mehr reicht.

Woran merkst du überhaupt, dass dein Business nicht mehr zu dir passt?

Ich glaube nicht, dass es dafür den einen eindeutigen Moment gibt. Bei manchen ist es tatsächlich die Langeweile. Sie merken, dass sie in ihren Coachings, Beratungen oder Projekten immer wieder dieselben Themen bearbeiten und kaum noch das Gefühl haben, selbst daran zu wachsen.

Bei anderen zeigt es sich eher über die vielen neuen Ideen.

Plötzlich wäre ein neues Angebot spannend, eine andere Zielgruppe vielleicht auch, dann kommt eine Weiterbildung dazu und daraus entstehen wieder drei neue Möglichkeiten.

Gerade bei Scanner-Persönlichkeiten würde ich natürlich nie behaupten, dass viele Ideen automatisch bedeuten, dass im Business etwas falsch läuft. Viele Ideen gehören schlicht zu uns.

Trotzdem stelle ich im Coaching an dieser Stelle gerne eine etwas unbequeme Frage:
Was versuchst du mit all diesen neuen Ideen gerade zu kompensieren?

Denn manchmal ist nicht die nächste Idee das eigentliche Thema. Vielleicht fehlt dir in deinem bestehenden Business Entwicklung oder es kommen bestimmte Fähigkeiten von dir kaum zum Einsatz. Vielleicht arbeitest du hauptsächlich noch mit Angeboten, die du vor Jahren entwickelt hast und die damals wunderbar zu dir gepasst haben, oder dein Portfolio ist mit den Jahren einfach immer größer geworden. Hier ein Angebot dazu, dort noch eine Leistung, irgendwann noch ein Workshop. Alles hat irgendwie seine Berechtigung, aber so richtig klar ist weder dir noch deinen potenziellen Kunden, wofür du eigentlich stehen möchtest.

Dann würde ich nicht sofort die nächste Idee dazupacken. Ich würde erst einmal schauen, was von dem Bestehenden überhaupt noch bleiben soll.

Neuorientierung heißt nicht, dass du wieder bei null anfangen musst

Diese Erkenntnis war für mich selbst ziemlich wichtig.

Ich habe mich während meiner Neuorientierung durchaus gefragt, ob ich vielleicht etwas komplett Neues machen möchte. Am Ende wäre das für mich aber überhaupt nicht stimmig gewesen.

Meine Zielgruppe der hochsensiblen Scanner-Persönlichkeiten ist geblieben, auch Coaching und Podcast sind geblieben.

Was sich verändert hat, ist mein Schwerpunkt.

Früher lag ein großer Teil meiner Arbeit in der klassischen Karriereberatung für Menschen im Angestelltenverhältnis. Gleichzeitig habe ich immer häufiger erlebt, dass ich Menschen Richtung Teilselbstständigkeit begleitet habe oder Selbstständige zu mir kamen, die mit ihrem bestehenden Business nicht mehr zufrieden waren.

Genau diese Themen interessieren mich heute viel stärker, auch Hochbegabung bekommt inzwischen mehr Raum in meiner Arbeit.

Ich musste also nicht mein komplettes Business wegwerfen.

Ich musste mir vielmehr erlauben, es an die Bettina anzupassen, die ich heute bin. Und vielleicht ist das bei dir ähnlich.

Es muss nicht immer die komplett neue Positionierung, Zielgruppe oder Geschäftsidee sein. Manchmal darf ein Angebot verschwinden, und ein anderes bekommt mehr Raum. Vielleicht möchtest du mit bestimmten Kunden nicht mehr arbeiten oder eine Fähigkeit stärker einsetzen, die vor drei Jahren noch gar keine Rolle gespielt hat.

Das ist auch Neuorientierung.

Was passt heute noch zu dir?

Bevor du jetzt allerdings dein Portfolio umbaust und drei neue Angebote entwickelst, würde ich an einer anderen Stelle anfangen.

Bei dir.

Ich finde es sinnvoll, das eigene Wertesystem von Zeit zu Zeit wieder anzuschauen. Nicht jeden Monat und auch nicht bei jeder neuen Idee, aber nach ein paar Jahren kann sich erstaunlich viel verändert haben.

Wie möchtest du heute arbeiten?

Welche Themen machen dir wirklich noch Spaß?

Mit welchen Menschen möchtest du deine Zeit verbringen?

Welche Fähigkeiten hast du in den letzten Jahren entwickelt, die in deinem Business bisher kaum vorkommen?

Und auch ganz wichtig: Was möchtest du nicht mehr?

Gerade die letzte Frage finde ich spannend, weil wir in der Selbstständigkeit gerne immer nur darüber nachdenken, was noch dazukommen könnte.

Dabei kann eine Neuausrichtung genauso gut bedeuten, etwas wegzulassen.

Ich sehe bei Selbstständigen immer wieder Angebote, die eigentlich nur noch existieren, weil sie irgendwann einmal entwickelt wurden. Niemand hat bewusst entschieden, dass sie weiterhin Teil des Business sein sollen, sie sind einfach noch da.

Wenn du dein Business neu ausrichten möchtest, würde ich deshalb nicht zuerst fragen: Was kann ich noch anbieten?

Sondern: Was davon würde ich heute überhaupt noch einmal genauso aufbauen?

Gerade als Scanner musst du dich nicht zwischen Fokus und Entwicklung entscheiden

Für hochsensible Scanner-Persönlichkeiten ist Entwicklung wichtig. Wir lernen gerne, entdecken neue Themen und sehen schnell Möglichkeiten, wie etwas noch anders funktionieren könnte.

Ein Business, das fünf oder zehn Jahre komplett unverändert bleibt, kann sich deshalb irgendwann ziemlich eng anfühlen.

Das heißt aber nicht, dass du alle paar Monate alles neu machen musst.

Ich glaube sogar, dass genau da für viele Scanner eine wichtige Lernaufgabe liegt: sich Entwicklung zu erlauben, ohne jeder neuen Idee sofort hinterherzulaufen.

Du kannst dich weiterentwickeln und trotzdem eine klare Zielgruppe haben.

Du kannst neue Themen integrieren, ohne deine Positionierung jedes Mal komplett umzubauen.

Und du kannst feststellen, dass etwas nicht mehr zu dir passt, ohne deshalb alles infrage stellen zu müssen, was bisher funktioniert hat.

Wenn du dir gerade die Frage „War’s das schon?“ stellst

Dann würde ich mir erst einmal vier Fragen beantworten:

Was in meinem Business würde ich heute genauso wieder aufbauen?
Was mache ich hauptsächlich weiter, weil ich es schon immer so gemacht habe?
Welche meiner Fähigkeiten und Interessen bekommen aktuell zu wenig Raum?
Wie möchte ich in drei bis fünf Jahren eigentlich arbeiten?

Die Antworten müssen nicht bedeuten, dass du dein Business komplett neu ausrichten solltest. Vielleicht stellst du sogar fest, dass ziemlich viel noch richtig gut passt, und zwei oder drei Dinge eben nicht mehr.

Dann würde ich genau dort anfangen.

Ich habe für meine eigene Neuorientierung übrigens deutlich länger gebraucht, als ich zunächst gedacht hatte. Ich habe mir dafür auch selbst Unterstützung geholt und nicht von heute auf morgen gewusst, wo die Reise hingehen soll.

Deshalb halte ich auch nicht besonders viel von dem Gedanken, dass man nur einmal seine „perfekte Positionierung“ finden muss und dann für immer damit fertig ist.

Menschen entwickeln sich. Warum sollte das eigene Business davon komplett unberührt bleiben?

Wenn du gerade an diesem Punkt stehst und merkst, dass dein Business zwar funktioniert, du dich selbst darin aber nicht mehr so richtig wiederfindest, können wir uns genau das im Klarheitsgespräch anschauen.

Um erst einmal herauszufinden, was noch zu dir passt, was nicht mehr und wo du eigentlich hinmöchtest.

PS: In meiner Podcastfolge „Die Frage ‚War’s das schon?‘ in der Selbstständigkeit“ spreche ich noch ausführlicher über meine eigene Neuorientierung und darüber, warum diese Frage für mich irgendwann selbst ziemlich wichtig geworden ist.

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